Helmut Alexander
Der Tiroler Freiheitskampf des Jahres 1809 - Geschichte und Film.

Die Auswirkungen der Französischen Revolution bekam Tirol spätestens in den späten 90er Jahren des 18. Jahrhunderts zu spüren. Der Verteidigungskrieg der jungen französischen Republik gegen einen Großteil der vereinten europäischen Dynastien nahm im Laufe der Jahre einen immer stärker werdenden expansionistischen Charakter an, der sich in territorialen Gewinnen links des Rheins und auf der Apeninnhalbinsel manifestierte.
In den Jahren 1796, 1797 und 1799 bedrohte die französische Armee von Süden her das Land Tirol, zu Kämpfen kam es im Vinschgau und im Pustertal. In diesen Jahren wurden bereits die Tiroler Standschützen gegen das französische Heer aufgeboten und konnten in der Schlacht bei Spinges (2.4.1797) die eindringenden Feinde erfolgreich abwehren.
Die Koalitionskriege in den Jahren um die Jahrhundertwende standen am Anfang einer Neuordnung der politischen Verhältnisse in Europa, die allerdings nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch am Verhandlungstisch erfolgte: die Friedensschlüsse von Campo Formio (1797) und Lunéville (1801) führten zu Grenzverschiebungen und zu Veränderungen der Einflußsphären der Großmächte, der Reichsdeputationshauptschluß des Jahres 1803 hatte die Säkularisation der geistlichen Fürstentümer und die Mediatisierung kleinerer Herrschaftsgebiete zur Folge, wodurch u.a. auch Osterreich umfangreiche Territorien dazu gewinnen konnte.
Der Ausbruch des 3. Koalitionskrieges im Jahre 1805 endete in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz mit einer Niederlage für die Gegner Frankreichs. Osterreich mußte die im Frieden von Preßburg (25.12.l805) von Napoleon diktierten Bedingungen akzeptieren und Tirol sowie Dalmatien und Venetien an das mit Frankreich verbündete Bayern bzw. an die Republik Italien abtreten.
Das inzwischen von Napoleon zum Königreich erhobene Bayern ergriff im Februar 1806 offiziell Besitz von Tirol und führte in den folgenden Jahren zahlreiche Veränderungen administrativer, wirtschaftlicher, medizinischer, kultureller Natur durch. Am 1. Mai 1808 erfolgte die Einführung der neuen bayerischen Konstitution, welche die tirolische Landesverfassung außer Kraft setzte und damit die Stände aufhob; gleichzeitig wurde Tirol wie das übrige Bayern auch - nach französischen Vorbild in Verwaltungskreise eingeteilt. Gegen Ende des gleichen Jahres wurde auch in Tirol die Militärstellung dekretiert, wodurch das seit 1511 im Tiroler Landlibell verbriefte Privileg, nach dem keine Tiroler für Kriege außerhalb des Landes verpflichtet werden durften, aufgehoben wurde. Wie viele Neuerungen der bayerischen Verwaltung in den Jahren zuvor, löste auch und besonders diese Maßnahme heftige Proteste aus und es kam deswegen sogar immer wieder zu lokalen Unruhen; in vielen Fällen entzogen sich die Burschen der Konskription durch Flucht.
Die Erhebung in Spanien gegen die französische Fremdherrschaft war für Osterreich und auch für die Tiroler ein Signal zum Aufstand gegen die fremde Macht im Land, zumal ein Großteil der militärischen Kräfte Frankreichs auf der Pyrenäenhalbinsel gebunden war. Bereits im Jänner 1809 weilte eine Tiroler Delegation - darunter auch Andreas Hofer - in Wien, um den Aufstand mit Erzherzog Johann w besprechen und mit den österreichischen Kriegsplänen abzustimmen. Diesen Gesprächen folgten in den kommenden Wochen Vorbereitungen in Tirol für die bevorstehende Erhebung, die trotz immer stärker werdender Verbreitung geheimgehalten werden konnte.
Die Aktivitäten der Tiroler in dieser Zeit stehen am Beginn der Handlung in dem Film "Andreas Hofer - Der Freiheitskampf des Tiroler Volkes": ein bayerischer Offizier gibt Anweisung, alle Informationen über geheime Ansammlungen der Bauern sofort zu melden bzw. solche mit allen Mitteln zu verhindern. Die nächste Szene zeigt dann auch eine geheime Versammlung von Tiroler Bauern und zwar beim Gasteiger-Wirt am Jaufenpaß. Im Auftrag von Erzherzog Johann meldet Martin Teimer Andreas Hofer, daß die Osterreicher den Tirolern zu Hilfe kommen würden, was als Signal für den bevorstehenden Aufstand gilt. - Soweit der Film.
Tatsächlich brach am 9. April 1809 der Krieg zwischen Osterreich und Frankreich aus und österreichische Truppen zogen in der Stärke von 15.000 Mann von Kärnten nach Tirol. Hier kam es bereits vor deren Eintreffen zu Kämpfen im Pustertal und im Sterzinger Moos, wo Hofer erste militärische Erfolge gegen die Bayern erzielen konnte. Auch nördlich des Brenners waren die Tiroler Schützen erfolgreich, indem sie - filmisch ausführlich festgehalten - am 12. April unter der Führung Josef Speckbachers die Stadt Hall einnahmen.
Während in Tirol das bayerische und französische Militär vertrieben bzw. gefangen genommen werden konnte und die administrative und wirtschaftliche Verwaltung wieder in österreichische Hände überging, erlitt Erzherzog Karl in Bayern mehrere Niederlagen und mußte sich nach Innerösterreich zurückziehen.
Daraufhin begannen im Mai die Bayern Tirol durch das Unterinntal und über den Paß Strub mit massivem militärischen Einsatz zurückzuerobern, wobei die Osterreicher bei Wörgl (13.5.) eine vernichtende Niederlage einstecken mußten und die Stadt Schwaz durch Brand nahezu vollständig zerstört wurde (15.5.). Am 19. Mai besetzten die Bayern Innsbruck, während etwa zur gleichen Zeit der Großteil der noch im Land verbliebenen österreichischen Truppen durch das Pustertal abzog. Trotzdem die Tiroler sich dadurch im Stich gelassen fühlen - mit der Szene, in der General Buol den Abzug des Miltärs Hofer und seinem Adjutanten Josef Eisenstecken in einem Gasthof am Brenner mitteilt, setzt auch die Filmhandlung wieder ein -, ruft Hofer neuerlich die Schützen zum Kampf gegen die Bayern auf.
Von seinem Quartier in Sterzing aus trifft Hofer Vorbereitungen, um die Bayern wieder aus Tirol zu verjagen und ruft die einzelnen Schützenkompanien der verschiedenen Täler Tirols am Bergisel zusammen. Durch den Sieg des österreichischen Heeres über Napoleon bei Aspem am 21./22. Mai besonders motiviert und durch 1.300 Mann österreichisches Militär verstärkt, gelingt es den Tirolern in den Bergiselschlachten am 25. und 29. Mai, den Abzug der Bayern aus Tirol zu erzwingen. Dieser neuerliche Erfolg der Tiroler wird im Film nicht weiter thematisiert; vielmehr wird nach den letzten Schlachtszenen mit einem Zwischentitel ein Sprung von knapp sechs Wochen im historischen Geschehen gemacht und mit den Zeilen "... aber der Waffenstillstand von Znaim am 11. Juli 1809 überlieferte Tirol gänzlich der despotischen Willkür Napoleons" der Fortgang der Geschichte bzw. der Verlauf der Filmhandlung in das Arbeitszimmer Napoleons verlagert. Der Kaiser der Franzosen diktiert gerade die Bedingungen für einen Waffenstillstand und teilt dem anwesenden Fürsten Johannes von Lichtenstein mit, daß er von nun an kompromißlos und ohne Gnade gegen Tirol vorgehen werde.
Was war geschehen? Stach der Bergiselschlacht im Mai 1809 wurde Tirol wiederum von einem österreichischen Beamten verwaltet und Kaiser Franz gab im sogenannten Wolkersdorfer Handbillet vom 29. Mai jene Erklärung ab, die sich für Hofer und die Tiroler noch in fataler Weise auswirken sollte: »Im Vertrauen auf Gott und Meine gerechte Sache, erkläre Ich hiemit Meiner treuen Grafschaft Tyrol, mit Einschluß des Vorarlbergs, daß sie nie mehr von dem Körper des Oesterreichischen Kaiserstaates soll getrennt werden, und daß Ich keinen anderen Frieden unterzeichnen werde - als den, - der dieses Land an Meine Monarchie unauflöslich knüpft.«
Kaum sechs Wochen später erlitten die Osterreicher bei Wagram eine vernichtende Niederlage durch die Franzosen, nach der am 12. Juli Napoleon die Waffenstillstandsbedingungen von Znaim diktierte. Danach mußte Tirol von österreichischem Militär geräumt werden, woraufhin am 28. Juli mit diesem nicht nur höhere österreichische Beamte, sondern auch zahlreiche Gefährten Hofers das Land verließen. Darüber informiert der Film mit einem Zwischentitel, der allerdings nicht erwähnt, daß sich unter jenen auch Eisenstecken und Teimer befanden. Deren Verhalten mißbilligte Hofer auf das Schärfste, was in dem Film in einer späteren Szene zum Ausdruck kommt - aber leider nicht unbedingt verständlich ist.
Zunächst muß aber die Geschichte wieder die Lücke bis zu nächsten Filmszene schließen, in der 15.000 Tiroler Bauern in der dritten Bergiselschlacht am 13. August 14.000 bayerische und französische Soldaten besiegen. flach dem Abzug des österreichischen Militärs aus Tirol hatten 25.000 Bayern, Franzosen und Sachsen wiederum Einzug in Innsbruck gehalten und versuchten in den folgenden Wochen, das Land unter ihre Kontrolle zu bringen. In den ersten Augusttagen erlitten die Besatzer bei Pontlatz und Sterzing (Sachsenklemme) vernichtende Niederlagen, bevor sich die Tiroler Landesverteidiger im Inntal und um Innsbruck konzentrierten und - nach erfolgreich geschlagener Schlacht am Bergisel - den Abzug der Bayern und Franzosen erzwangen.
Nach diesem Erfolg, den die Tiroler Schützen ohne die Unterstützung Österreichs erreicht hatten, zogen die Landstürmer mit Hofer als ihrem Oberkommandanten in Innsbruck ein. Vertreter der Innsbrucker Bürger und des Tiroler Klerus bitten Hofer - wie im Film zu sehen -, die Verwaltung des Landes zu übernehmen und Ruhe und Ordnung herzustellen. Der Sandwirt aus dem Passeier übernimmt diese Aufgabe und errichtet seine "Bauernregierung" in der Hofburg. Hierher kommt auch Ende September der, inzwischen zum österreichischen Major beförderte, ehemalige Adjutant Hofers, Josef Eisenstecken, um eine kaiserliche Ehrenkette und ein Geldgeschenk zu überbringen. Die frostige Atmosphäre dieser Situation wird im Film recht deutlich und ist nur dadurch w erklären, daß Hofer die Flucht Eisensteckens Ende Juli als Verrat bzw. als Treuebruch bewachtet hat. Die offizielle Verleihung der kaiserlichen Auszeichnung durch den Abt von Wilten am 4. Oktober nimmt einen breiten Raum im Film ein; die schlechten Nachrichten, welche noch am gleichen Tag in der Hofburg eintreffen, leiten nach dem Vorbild eines klassischen Dramas die Wende in der Geschichte des Jahres 1809 ein.
Während der Amtszeit Hofers versuchten sein Kampfgefährten Josef Speckbacher und der Kapuzinerpater Joachim Haspinger den Kampf gegen die Franzosen auch außerhalb des Landes zu führen. In Kärnten und im Salzburger Land wurden sie allerdings geschlagen, die Niederlage Speckbachers in Melleck (16.10.) wird Hofer von dem Priester Daney am 18. Oktober zur Kenntnis gebracht, eine Rückblende zeigt diesen Kampf, in dem Speckbacher's Sohn Anderl von den Bayern gefangen wird, auch im Film; weitere Hiobsbotschaften erhält Hofer durch schriftliche Nachrichten. Zur gleichen Zeit etwa schloß Osterreich mit Napoleon den Schönbrunner Frieden (14.10), in dem Kaiser Franz - entgegen seiner früher verlauteten Zusage gegenüber den Tirolern - auf Tirol verzichtete. Bayern und Franzosen rückten daraufhin Mitte Oktober aus Kärnten, Oberitalien und Bayern nach Tirol vor, besetzten am 24. Hall und am 25. Oktober Innsbruck.
Hofer hatte bereits am 21. Oktober Innsbruck verlassen, wurde allerdings erst am 28. Oktober offiziell von dem bereits zwei Wochen zuvor abgeschlossenen Frieden in Kenntnis gesetzt. Er beschloß daraufhin den Kampf zu beenden, wird jedoch von fanatischen Elementen - im Film vor allem von Haspinger - zum Weitermachen überredet. Der Aufruf zum letzten Aufgebot ist der verzweifelte Versuch, einer ausweglosen Lage zu entkommen. Das Scheitern der Tiroler in der vierten Bergiselschlacht am 1. November ist im Film nicht zu sehen. Vielmehr leitet ein Zwischentitel ».Mit furchtbarer Strenge zog der Winter in die Berge und während die Blutgerichte in dem geknebelten Land wüteten, war Andreas Hofer für die Welt verschollen . .« über zum letzten Kapitel des Tiroler Freiheitskampfes bzw. im Leben Andreas Hofers.
Hofer, auf den ein Kopfgeld ausgesetzt wurde, versteckte sich Mitte November in den Bergen seiner Südtiroler Heimat Mit seinem Schreiber Cajetan Sweth verbarg er sich seit Anfang Dezember auf der Pfandler-Alm, in einem Versteck, das nur engste Vertraute kannten. Hier entdeckte ihn Ende Jänner 1810 der Bauer Franz Raffl, der den Aufenthaltsort Hofers den Franzosen meldete. Am 28. Jänner 1810 nahmen die Franzosen Hofer und seinen Begleiter, sowie seine Frau und seinen Sohn, welche ebenfalls seit Mitte Dezember bei ihm auf der Hütte waren, gefangen.
Andreas Hofer und Cajetan Sweth wurden nach Mantua gebracht - Hofers Gattin und Sohn wurden in Bozen freigelassen -, wo ihnen vor einem französischen Militärgericht der Prozeß gemacht wurde. Auf Befehl Napoleons wurden beide zum Tode verurteilt.
Am 20. Februar 1810 wurde Andreas Hofer im Festungsgraben von Mantua erschossen und auf dem Friedhof von St. Michael beigesetzt. Sweth hingegen wurde begnadigt und sein Todesurteil in Haft und Verbannung umgewandelt.
Die letzten Monate im Leben Andreas Hofers sind im Film recht ausführlich dargestellt und zeigen eine große Nähe zur historischen Wirklichkeit. Der Besuch seiner Frau in der Zelle zu Mantua ist geschichtlich allerdings nicht haftbar, als dramaturgisches Mittel aber durchaus gut eingesetzt.
Der Film ist keine vollständige Chronologie der historischen Ereignisse der Jahre 1809/10, doch ist festzuhalten, daß die Filmhandlung sich von den wirklichen Ereignissen jener Jahre zumindest nach dem Stand der Forschung in den 1920er Jahren - kaum entfernt, so daß "Andreas Hofer - Der Freiheitskampf des Tiroler Volkes" durchaus als Spielfilm mit dokumentarischem Charakter bezeichnet werden kann.
Zum Schicksal von Andreas Hofer ist noch nachzutragen, daß seine Leiche im Jänner 1823 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von österreichischen Kaiserjägeroffizieren exhumiert und über Trient und Bozen nach Innsbruck gebracht wurde. Hier wurde er am 21. Februar feierlich in der Hofkirche beigesetzt.

ZUR GESCHICHTE DES FILMS "ANDREAS HOFER - DER FREIHEITSKAMPF DES TIROLER VOLKES' AUS DEM JAHRE 1929.
Vom Sandwirt zum Freiheitshelden - Der Mythos Andreas Hofer

Seit dem Tod Andreas Hofers am 20. Februar 1810 wird der Tiroler Freiheitskampf in zahllosen literarischen Werken ebenso wie in der bildenden Kunst immer wieder thematisiert. Dabei wurden und werden "häufig Mythen konstruiert, die noch immer nicht überwunden sind, die vielmehr in politischen Reden und Kommentaren weiterleben bzw. im Hinblick auf aktuelle gesellschaftliche Konstellationen adaptiert werden."
Reportageartige Schlachtenszenen sind ebenso zahlreich wie die Heroisierung und Idealisierung der Kämpfer am Berg Isel in Gemälden dargestellt worden. Die Bilddokumentationen zum Tiroler Freiheitskampf zeigen aber auch, "wie sehr das Thema Anno Neun mit der Figur Andreas Hofers personifiziert wurde. Im Einzelbildwerk wie auch in Szenenabfolgen wird die Person Hofers von allen Perspektiven beleuchtet". Die Werke von Johann Plazidus Altmutter, Franz von Defregger, Joseph Anton Koch oder Albin Egger-Lienz, um nur die wichtigsten zu nehmen, haben die Vorstellungswelt ganzer Generationen von den Kämpfen am Berg Isel geprägt.
Romantische Idealisierungen, die aus Andreas Hofer einen Märtyrer gemacht haben, der raus Liebe zu »Freiheit, Volk, Vaterland und österreichischem Kaiserhaus« - die Reihenfolge ist willkürlich - kämpfte und starb," finden sich aber auch in der Literatur. Mindestens achtzig Hofer-Dramen und eine unüberschaubare Menge an volkstümlichen Balladen, Rollengedichten, Romanen und Erzählungen hielten und halten die Erinnerung an das Jahr 1809 wach und künden großteils vom Heldentum und der Treue der Tiroler.
"Wie wir die ärmsten sind von seinen Kindern/ So müssen wir die treusten sein des Kaisers/ Gold gibt ihm Hungarn, Steine Böhmen, wir/ Wir haben nur ein Herz voll frommer Liebe/ und einen Arm, der dieses Herzens Willen/Ausrichten kann. Wir müssen ihn erkämpfen/ Verdienen das Zutraun, das in uns gesetzt/ Das alte heil'ge Erzhaus Österreich."
Zur gleichen Zeit wie solches Heldenlob anstanden aber auch kritische literarische Aufarbeitungen der Kämpfe des Jahres 1809, "die sich allerdings beim Publikum, schon gar nicht in Tirol, nie durchsetzen konnten."' Freilich waren solche Passagen aus einer Kalendergeschichte von Johann Peter Hebel, wie die folgende, nicht besonders schmeichelhaft für Die Tiroler, doch zeigen sie, daß die Identifikation und die Sympathien mit den Freiheitskämpfern das Jahres 1809 nicht immer und überall zum Allgemeingut des deutschsprachigen Raumes gehören:
"Als im letzten Krieg die Franzosen und Osterreicher in der Nachbarschaft von Tirol alle Hände voll miteinander zu thun hatten, dachten die Tiroler: Im Trüben ist gut fischen. Sie wollten nimmer bayrisch sein. Viel Köpfe, viele Sinne, manchmal gar keiner. Sie wußten zuletzt selber nimmer recht, was sie wollten."
Aber auch in Tirol gab es Autoren, die konsequent mit dem idealisierenden Hofer-Bild brachen, ohne dabei die tatsächlichen historischen Ereignisse aus den Augen zu verlieren. Bei der Erstaufführung des Schauspiels "Andre Hofer" von Franz Kranewitter im Jahre 1903 kam es in Innsbruck zu einem Skandal und zu einem Verbot weiterer Aufführungen. Damals zeigte sich bereits, daß die Auseinandersetzung mit Andreas Hofer auch eine politische Dimension besaß, denn bei der Aufführung in Innsbruck sorgte "das deutschnationale Lager [...] für den Applaus, das christlichsoziale Lager für das Pfeifkonzert." Kein Wunder, sprach doch Kranewitter dem Sandwirt seine Tauglichkeit als Politiker ab und nahm seinen bedingungslosen Glauben an das österreichische Kaiserhaus aufs Korn. Auch die Kirche ward zur Zielscheibe von Kranewitters Kritik und besonders von Hofers Religiosität, "die in allen Hofer-Mythen ausgeschlachtet wird," will der Dramatiker nichts wissen:
"Fluech'n, fluech'n, verfluech'n des ist enker zwoat's Wort, verdammter Pfaff! Jetzt hab'i's aber satt, enker ewig's G'mauschl. Früeher, wie's enk taugt hat, da bin i der David, der Makkabäer g'west, und ietzt? Aber wart's, i wear's enk zoag'n, i wear's enk eintränken. No gibt's a Mitt'l. Kreuzdividomine, no bin i Oberkommandant von Tirol, und als dear sag' i's eng ins G'sicht: Ös seid's Verräter! Bei meiner Seal."
Andreas Hofer und der Tiroler Freiheitskampf waren jedoch nicht alleine Themen für Künstler und Literaten, sondern wurden auch für politische Zwecke ge- und mißbraucht. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Tiroler Aufstand von 1809 in einen »deutschen Freiheitskrieg« uminterpretiert, "Franzosen und Bayern wurden dabei oft ganz einfach durch die Italiener ersetzt."
Die Jahrhundertfeiern im Jahre 1909 standen in zahllosen Orten Tirols im Zeichen des patriotischen Gedenkens an den Freiheitskampf der Tiroler gegen ihre äußeren Feinde. Öffentliche Gelder wurden großzügig zur Verfügung gestellt, um an den Mythos von 1809 zu erinnern bzw. ihn zu reproduzieren. "Spätestens 1909 wurde der Sandwirt zu einem »Deutschtiroler Helden« umfunktioniere"
Blütezeit des Andreas-Hofer-Kultes mit der Stoßrichtung gegen den »welschen« Erbfeind und Eindringling war natürlich die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg: Andreas Hofer wurde nun vielfach auf politischer und propagandistischer Ebene im Kampf für die vom Faschismus entrechteten und unterdrückten »deutschen Brüder« in Südtirol und für die Beseitigung der Brennergrenze mobilisiert. "Für die Nazis war die Figur Andreas Hofer wegen seiner blinden Anhänglichkeit an die katholische Kirche und das Haus Habsburg nicht unbedingt mobilisierbar", in der Alltagspolitik wurde er jedoch auch von den damaligen Machthabern nicht geschont.
Der Heldenmythos um Andreas Hofer blüht nach wie vor, zumindest in Festtagsreden und Leitartikeln und an dessen Idealisierung zu rühren, ist auch über 90 Jahre nach der Techet-Affäre nicht opportun, denn das positive Image Andreas Hofers ist in weiten Kreisen der Tiroler Bevölkerung tief verwurzelt und der Mythos vom Freiheitskampf des Jahres 1809 weit verbreitet. "Daß die Tiroler Landeshymne ein Andreas Hofer Lied ist und bis heute jeder Tiroler Volksschüler dieses vor der Bundeshymne singen kann, sei nur als kleines, aber signifikantes Detail am Rande erwähnt.".

"Tirol in Waffen" - Ein Film aus dem Jahre 1913
Zur Produktion des Andreas-Hofer-Mythos' trägt seit Anfang dieses Jahrhunderts auch ein neues Medium bei, das seither ebenfalls und besonders die visuelle Vorstellung von der Tiroler Geschichte des Jahres 1809 prägt: Der Film. In diesem Zusammenhang ist der "Speckbacher" - ein ebenfalls sehr populärer Freiheitskämpfer das Jahres 1809 - zu erwähnen, ein Film, der mit großem Erfolg vor dem Ersten Weltkrieg in den Kinos gezeigt wurde. Wahrscheinlich entstand dieses Werk um die Zeit der Jahrhundertfeier im Jahre 1909. Damals dürfte bereits auch ein Film über Andreas Hofer'' gedreht worden sein, der allerdings in der Geschichte keine weiteren Spuren hinterlassen hat.
Anders hingegen verhält es sich mit dem Film "Tirol in Waffen" aus dem Jahre 1913, der im Sommer 1991 im British Film Institut in London wiedergefunden wurde. Dieser Film handelt ebenfalls von den Kämpfen der Tiroler gegen Bayern und Franzosen in den Jahren 1808 und 1809 und sollte sicher an den Erfolg das "Speckbacher" anknüpfen. Die Zeichen der Zeit standen gut, entsprach doch die Selbstbehauptung des Tiroler Volkes dem nationalen Zeitgeist vor dem Ersten Weltkrieg, wie überhaupt die Person Andreas Hofer als Ausdruck für Gottesfürchtigkeit, Kaisertreue und Volkstumsbekenntnis große Popularität genoß. Daher ist es naheliegend davon auszugehen, daß die Berliner Firma Messter in Andreas Hofer ein erfolgversprechendes Thema für eine Kinoproduktion erblickte.
Im September 1913 traten Vertreter jener Produktionsgesellschaft an den Stadtmagistrat und an die Kurverwaltung in Meran heran und unterbreiteten ein Projekt, das die Produktion eines Filmes zur Selbstbehauptung der Tiroler gegenüber der bayerischen bzw. französischen Fremdherrschaft zum Inhalt hatte.
Die Meraner stimmten diesem Projekt zu, erhofften sie sich doch wegen der zahlreichen Naturaufnahmen, die in den Film eingeflochten werden sollten, eine Fremdenverkehrswerbung "bester Güte" für das gesamte Burggrafenamt. Im Oktober und November 1913 wurden unter der Leitung von Ingenieur Fritz Fröhlich "kinematographische Aufnahmen aus der Zeit der Befreiungskämpfe der Jahre 1808 und 1809"'9 durchgeführt. Volksschauspieler vom Meraner Stadttheater wirkten bei den Dreharbeiten ebenso mit, wie zahlreiche einheimische Statisten, besonders solche mit "Charakterköpfen", zumal Motive aus der bildenden Kunst, besonders Defregger'sche Motive aus »Das Letzte Aufgebot«, »Die Versammlung der Aufständischen« oder »Die Heimkehr der Sieger« als Vorbilder für diverse Filmszenen dienten. Geeignete Drehorte fand man in Schenna, St. Martin im Passeier, Riffian, Dorf Tirol, Lana,- Finele, auf der Töll, am Küchelberg und in Sulden, wo die Verhaftung Hofers bei der Bäckmann-Hütte in Szene gesetzt wurde. In fünf Abschnitten wurden die bekanntesten Ereignisse der Jahre 1808/09 im Film festgehalten: "der Aufstand, die Aufrufe Hofers, die ersten Kämpfe am Sterzingermoos, die Schlacht am Berg Isel, das Ringen an der Haller Innbrücke und die schrecklichen Vernichtungskämpfe in der Sachsenklemme," der Brand von Schwaz und schließlich die Flucht, Verhaftung und Erschießung von Andreas Hofer.
Die Filmaufnahmen, über die die Presse recht ausführlich berichtete, fanden großes Interesse bei der einheimischen Bevölkerung wie auch bei zahlreichen Kurgästen und Touristen. Massenszenen mit 500 bis 600 Menschen, "darunter 200 französische Soldaten, welche [...] die Lanaer Reservisten stellten, 200 Landstürmer, die Haflinger Reiter," waren im Burggrafenamt bis dahin ebenso so selten zu sehen wie in den damaligen Kinos. Leider kam es auch zu einigen Unfällen, bei denen Statisten durch unsachgemäßes Hantieren mit Waffen verletzt wurden.
Letztendlich wurden die Außenaufnahmen in knapp vier Wochen fertiggestellt, sodaß das Filmteam am 25. November 1913 wieder nach Berlin abreisen konnte. Hier wurden in den Ateliers noch die Innenaufnahmen, wie "Andreas Hofer in der Hofburg, Bilder aus dem Leben Andreas Hofers, Speckbacher, Hofer zur letzten Erhebung gedrängt etc." gedreht, das Material geschnitten und kopiert, bevor der Streifen im Sommer 1914 in die Kinos kam.
In Innsbruck harte "Tirol in Waffen," das "historische Schauspiel in 5 Abteilungen", die "größte Tragödie Tirols im Film" am 10. Oktober 1914 Premiere. Es ist anzunehmen, daß der Film auch anderenorts in Tirol mit einer ebensolchen Begeisterung aufgenommen wurde wie in Innsbruck:
"Tirol in Waffen! Ein Schlagwort, das in uns die Erinnerung wachruft an jene ruhmreichen Tage, an denen unsere Vorfahren Mann für Mann aufstanden gegen den Erbfeind, der tirolische Sitten und Gebräuche mißachtete und das Land mit Füßen trat. Die Heldengestalten eines Andreas Hofers, Speckbachers, Haspingers usw. tauchen vor uns auf und reden eine Sprache, die zu Herzen geht. Ein großes, weitzügig angelegtes Kunstwerk ist der Film. Wir werden zurückversetzt in das glorreiche Jahr 1809 und leben mit den Kämpfern für Tirols Freiheit. Der ganze Lebensweg Hofers, sein Aufstieg w den höchsten Würden, seine schweren Kämpfe und das traurige und doch so heldenhafte Ende in Mantuas Festungsmauern ziehen an uns vorüber. Der Film zeichnet sich vor allem durch einen Umstand aus, den wohl niemand so sehr zu schätzen weiß, wie wir Tiroler selbst. Es ist die durchwegs vollkommen naturgegebene Wiedergabe der Trachten. Alles echte, kernige Tiroler Bauern sind es, die vor uns stehen und nahezu den größten Teil zu der erhebenden Wirkung des Dramas beitragen. Die Waffen, die die Vaterlandsverteidiger tragen, sind den Museen entnommen und helfen die naturgegebene Wirkung zu erhöhen. Das schönste und gewaltigste an dem Rahmen in dem sich die Heldenkämpfe abspielen, sind unzweifelhaft die wundervollen landschaftlichen Bilder. Unsere Berge entstehen vor uns in ihrer ganzen Pracht. Es sind da Bilder geschaffen worden, wir erinnern nur an den Aufstieg zur Pfandleralm, die einen hohen künstlerischen Wert in sich tragen und vieles, was heule auf dem Gebiete des Kinowesens geschaffen wurde, weit, sehr weit hinter sich lassen."
Diese Zeilen in den »Innsbrucker Nachrichten« zeigen aber auch, daß schon damals in dem Film nicht mehr nur die fremdenverkehrwirksame Intentionen gesehen wurden, die bei seiner Produktion noch ins Auge gefaßt worden waren. Die Österreichische Monarchie stand ebenso wie das Deutsche Kaiserreich bereits drei Monate in einem Krieg mit beinahe allen Staaten Europas, sodaß es kaum verwundert, wenn in erster Linie der Verteidigungswille und die Kampfbereitschaft der Tiroler, gegen alle, die das 'Land mit Füßen' treten, hervorgehoben werden. Somit hatte der Film zur damaligen Zeit zweifelsohne auch eine gewisse mobilisierende Wirkung, eine Funktion, die etwas mehr als ein halbes Jahr später bedeutungsvoll werden sollte: im Mai 1915 zogen tausende von Tiroler Standschützen, die sich in der Tradition der Freiheitskämpfer von 1809 stehend sahen, aus, um das Land wiederum gegen den "Erbfeind" zu verteidigen. Auch dieser Kampf sollte zur "größten Tragödie Tirols" werden, deren Verfilmung allerdings erst in späteren Jahren erfolgte.
In Tirol wurden unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg nur wenige Filme gedreht. Meist handelte es sich um Produktionen ausländischer Firmen oder um Werbefilme der einheimischen Fremdenverkehrswirtschaft. Solcherlei Aktivitäten fanden in der Tiroler Öffentlichkeit wie auch bei den Politikern des Landes nicht immer positiven Widerhall. Große Entrüstung gab es vor allem darüber, daß Naturaufnahmen von Tirol als "Schweizerische Winterlandschaften" in einigen Filmen präsentiert oder die Drehorte in Tirol vielfach nicht genannt wurden. Auf solche Weise würde das Land Tirol nicht nur keinen Nutzen haben, sondern auch noch, hinsichtlich des Fremdenverkehrs, nach Meinung damaliger Landespolitiker Schaden nehmen, weshalb in den 20er Jahren die Tiroler Landesregierung u.a. auch das Drehen von Filmen gesetzlich regelte. Im 25 des Lichtspielgesetzes vom 23.2.1927 wurde festgestellt, daß zur "Aufnahme von Laufbildern in Orten und Landschaften des Landes, sowie von solchen von öffentlichen Veranstaltungen, Umzügen usw. zu Erwerbszwecken [...] die Bewilligung der Landesregierung notwendig" ist.
"... eine überaus ernste und wichtige, aber auch schwierige Angelegenheit" »Andreas Hofer - Der Freiheitskampf des Tiroler Volkes« aus dem Jahre 1929
"Tirol ist ein internationales Problem geworden. Speziell wegen der Verhältnisse in Südtirol ist es ständig Gegenstand internationaler politischer Diskussion. Und darin taucht immer wieder der Name Andreas Hofer und die Jahreszahl 1809 auf", - berichtete der »Tiroler Anzeiger« am 28. März 1929 und meinte weiter, daß aus jenen Gründen das Interesse für einen "derartigen großen Landesfilm" bestimmt gegeben sei.
Vor diesem Hintergrund verwundert es nichts daß die Produktion eines "Andreas-Hofer-Films" von den öffentlichen Stellen in Tirol sehr begrüßt wurde. Diese hatten nämlich schon "seit vielen Jahren" die propagandistische Wirkung des Filmes erkannt, die politischen Verhältnisse und unzureichende finanzielle Mittel standen jedoch bisher der Herstellung eines "großen einheitlichen Film[s] für das ganze Land Tirol" im Wege. Erst als sich ein Münchner Bankier bereit erklärte, die Finanzierung eines Filmprojektes über Andreas Hofer und das Jahr 1809 sicherzustellen, übernahm die »Hofer-Filmgesellschaft Ges.m.b.H.« in München dessen Verwirklichung. Das Vorhaben wurde vom damaligen Landeshauptmann Dr. Franz Stumpf "wärmstens begrüßt", die Landesregierung stellte für die Dreharbeiten "sämtliche Güter, die unter ihrer Verwaltung" standen, zur Verfügung, "sämtliche Bezirkshauptmannschaften wurden angewiesen, in ihren Bezirken die Wege für die Aufnahmen zu ebnen und die Bürgermeister wurden beauftragt, der Angelegenheit gleichfalls weitgehende Unterstützung zu gewähren."
Diese Meldung im »Tiroler Anzeiger« erweckt den Eindruck, daß die Initiative für die filmische Bearbeitung des Tiroler Freiheitskampfes von 1809 von öffentlichen Stellen des Landes Tirol ausging. Verstärkt wird dies dadurch, daß sich in den Präsidialakten der Tiroler Landesregierung keinerlei Hinweise für ein Ansuchen oder für eine Bewilligung der Dreharbeiten zu dem Andreas-Hofer-Film findet. Auch die Tatsache, daß erst "nach langen Verhandlungen" jener Münchner Finanzier gefunden werden konnte, der "eine größere Summe für diesen Zweck dem Lande Tirol zur Verfügung" stellte, erhärtet eine solche Annahme. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem Film also um eine Auftragsarbeit des Tiroler Landes.
Im März des Jahres 1929 waren die Verhandlungen bzw. Vorbereitungen für die Produktion des Films so weit abgeschlossen, daß die Verwirklichung des Vorhabens begonnen werden konnte. Der Münchner Regisseur Hanns Prechtl hatte bereits ein Drehbuch vorgelegt, "das Episoden aus der größten Zeit unseres Landes enthält, die den Auftakt gaben zur Befreiung des gesamten deutschen Volkes aus der Fremdherrschaft". Ein eigens eingesetzter Kunstausschuß, bestehend aus dem Dichter und Religionsprofessor Bruder Willram, dem Historiker Univ.-Prof. Otto Stolz, Prior Dominikus Dietrich vom Kloster Wilten und Herrn Engelbrecht von der Innsbrucker Liedertafel überprüfte das Drehbuch auf seine historische Wahrheit, wodurch gewisse Peinlichkeiten darin bei der filmischen Umsetzung verhindert werden konnten. Prechtl legte beispielsweise in seinem Drehbuch einem Bauern die Worte in den Mund "Wir woll'n nit bayrisch oder gar italienisch werd'n!", womit er die politische Aktualität der 1920er Jahre - zumindest was letzteres betrifft - kurzerhand und historisch völlig unbegründet in das Jahr 1809 zurückverlegte. Auch ließ Prechtl in seinem Drehbuch die Verhaftung Hofers von einem italienischen Offizier vornehmen, - eine Verdrehung der historischen Tatsachen, die nur vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund der antiitalienischen Stimmung in den 1920er Jahre erklärbar ist und absolut nichts mit den Vorgängen der Jahre 1 809/10 zu tun hatte.
Die diversen Rollen in dem Film wurden hauptsächlich mit Schauspielern aus dem Deutschen Reich besetzt, aus Tirol wurden Hunderte von Statisten herangezogen, die sich freiwillig und zum Großteil mit eigenen historischen Gewändern und Waffen für die Massenszenen im Film zur Verfügung stellten. Als Drehorte wurden Städte und Dörfer in Nordtirol ausgesucht und auch solche Handlungen, die sich in Südtirol zugetragen hatten, wurden nördlich des Brenners aufgenommen. Innenaufnahmen wurden z.T. an den historischen Schauplätzen in der Hofburg aufgenommen, andere in den Bauernstuben des Tiroler Volkskunstmuseums.

"Der ganze Film war a Gaudi"
Von April bis Juni 1929 wurden zahlreiche Szenen des Films an verschiedenen Orten in Nordtirol gedreht. Den Anfang machten Aufnahmen auf der Gaislacher Alm im Ötztal, die sich als Kulisse für die Gefangennahme Hofers bestens eignete. In der Gegend von Stafflach am Brenner wurden Mitte April Szenen aus den Kämpfen bei Melleck aufgenommen und in der Innsbrucker Altstadt sollte Eisenstecken bei seiner Mission in Bozen gefilmt werden. Während der »Tiroler Anzeiger« über die Arbeiten im Ötztal überaus positiv berichtete und vor allem den Söldener Bauern, die bei der Gefangennahme Hofers die Soldaten stellten, großes Leb zollte, waren die Nachrichten von den Dreharbeiten in Stafflach weniger erfreulich. Hier gab es "einen argen Wirrwarr", weil zu wenig Darsteller erschienen und zunächst keine Gewehre da waren und es außerdem Bauersleute gab,
"die den Kopf aus den Fenstern herausreckten oder sonst das Bild durch ihr Dazwischengehen verpatzten. Der Regisseur und seine paar Mitarbeiter schrien sich heiser, aber man kam doch nicht recht vorwärts. Jedenfalls hatte man zu wenig Leute, zum Publikum abhalten und zum Erklären, und es wäre wohl besser gewesen, wenn man zur Belehrung der ungeübten Darsteller jemanden genommen hätte, der über mehr Ruhe verfügt und sich mit den Bauern hätte besser verständigen können".
Kritik wurde auch an Speckbachers Hut geübt, der zu breitkrempig war, ebenso wie an dem seines Sohnes, der "in Wirklichkeit keinen breiten, niederen Wipp- oder Oetztaler-Hut, sondern ein sogenanntes Stötzl mit einer Hahnenfeder getragen hat." Außerdem wurde moniert, daß bei den Gefechten in Melleck französische Soldaten, die übrigens von Reichswehrleuten dargestellt wurden, zum Einsatz kamen, in Wirklichkeit dort aber nur eine bayerische Division gekämpft hatte. "Wenn man einen echten Anno-Neun-Film drehen will," meinte dazu der »Tiroler Anzeiger«, "dürfen solche geschichtliche Ungereimtheiten nicht vorkommen". Die Tiroler seien in dieser Beziehung nämlich "sehr genau und kritisch."
Solcherlei Anregungen nahmen die Aufnahmeleiter jedoch nicht sonderlich ernst, denn sowohl die französischen Soldaten wie auch der falsche Hut sind auch heute noch in dem Film zu sehen. Die Szenen allerdings, in denen Zuschauer ins Bild liefen mußten wiederholt werden, so zum Beispiel auch jene in der Innsbrucker Altstadt, die später in Hall wiederholt wurden. Hier wurde auch am Oberen Stadtplatz unter Beteiligung von 60 Wehrmännern der örtlichen Garnison die Einnahme der Stadt gedreht, jene Aktion, in der Speckbacher sein strategisches Können bewies und maßgeblich zur ersten Befreiung Tirols von der bayerischen Fremdherrschaft beitrug.
Im Zusammenhang mit der Einnahme der Salinenstadt erfolgten auch Aufnahmen auf der Haller Brücke, wofür etwa 500 Personen aufgeboten wurden. Dabei wurden mehrere "Kämpfer teils freiwillig, teils unfreiwillig in den Inn gestoßen und machten so unangenehme Bekanntschaft mit dem kalten Wasser des Gebirgsflusses." Einer der solcherlei Erfahrungen teilte, war Hannes Hundegger, der darüber folgendes zu berichten weiß:
"Das war auf der Haller Bruckn, auf der alten hölzernen. Da hat der Fischer gesagt, der von der Stadt, der nachmalige Bürgermeister [= Franz Fischer, Bürgermeister von Innsbruck H.A.], der war so irgendwie ein »Finanzminister« ein bissl der hat dann gesagt »da habt ihr was, weil ihr die Hundegger-Buam z'ammgschlagen habt«. [Der Bruder von Hannes Hundegger spielte ebenfalls in dem Film mit - H.A.]"
Zuerst war ich ein Tiroler und dann habe ich mich in einen Franzosen verwandelt und dann habe ich mit dem Franz auf der Bruckn gerauft. Ich habe schon aufgepaßt, daß ich nicht hinunter falle. Dann hat er mich doch hinuntergeworfen! Dann sind wir weggeschwommen und am Ufer hinaus. A mords Hetz gwesen! Und der Lantschner wollte mit einem Pferd hinunterstürzen in den Inn und das ist verboten worden, vom Tierschutzverein. Das Mitspielen war freiwillig! Ich habe nur nachher - das war ja saukalt, der Inn - das war ja anfangs Juni. Also, Hochwasser am Inn, weil ja die Schneeschmelze war. Und da habe ich erst teuflisch geschwitzt und dann ins kalte Blasser. Und dann habe ich nachher ein Gulasch gekriegt und ein Glühwein, das weiß ich noch. Und galling kommt der Fischer herein, der sagt »wer ist von euch in den Inn hinuntergeflogen?« Und dann hat er mir 50 Schilling gegeben. Das war damals viel Geld!"
Einer derjenigen, der seine Rolle im Film ebenfalls sehr ernst nahm und überzeugend »spielte«, war der »Darsteller« des Abts von Witten, der in der Innsbrucker Hofkirche die kaiserliche Ehrenkette an Andreas Hofer überreichte. Abt Schuler von Wilten selbst ließ es sich nicht nehmen, die Rolle seines Vorgängers des Jahres 1809 darzustellen und eigenhändig "in einem alten historischen Ornate" jene Handlung vorzunehmen. Bei diesen Aufnahmen gab es jedoch eine Panne, an die sich einige der damaligen Statisten auch heute noch lebhaft erinnern:
"Bei den Aufnahmen, die in der Hofkirche gemacht werden sollten, da hat irgendetwas nicht funktioniert. Die Scheinwerfer ... Ich weiß, wir sind da heraußen ..., der Abt von Wilten hat eigens den schönen alten Ornat vom Stift mitgenommen gehabt. Dann haben sie das Licht auf die Stative gesetzt und dann hat es schon Anweisungen gegeben, wie die Leute schauen sollen oder was sie betrachten sollen. Die einen halt da hin und die anderen halt dort hin, die ganze Kirche war voll. Hinter den Schwarzen Mandern waren auf Gerüsten große Scheinwerfer montiert und zwischen Volkskunstmuseum und Franziskanerkloster waren, glaube ich, drei große Maschinensätze, so alte, riesige Apparate. Und wie es dann sozusagen für den Beginn alles gerichtet war, ja also, jetzt solls losgehen, »Strom einschalten!« Kein Strom kam! Jetzt haben sie da wieder umeinandergemurkst - es ist einfach nicht gelungen! Die Leute sind unruhig geworden und es war dann schon gegen Mittag, da haben sie eben gesagt, daß sie zum »Grauen Bären« gehen sollten, oder in die »Stadtsaal-Restauration« oder in den »Stiftskeller« und 'umliegende Dörfer' könnte man sagen ... Die ganzen Häuser waren pumpvoll! ... Die haben restlos den »Grauen Bären« leer gefressen! Sie haben kein Ei mehr gehabt! Alles, was möglich war ... Die haben größte Probleme gehabt, die Leute wieder in die Kirche zu bringen ... Bis neun am Abend hat sich das hingezogen - die Sauferei! Ich glaube um zehn hätte es noch etwas geben sollen. Sie haben erzählt, im ganzen »Grauen Bär« haben sie nicht mehr ein Ei holen können.... Aber dann die Leut' wieder hereinzukriegen! Ein paar haben natürlich schon über den Durst wahrscheinlich getrunken gehabt und dann sind ihnen womöglich noch die halben wieder davon gerannt, bis die anderen aus dem anderen Wirtshaus wieder zusammen waren. Es war eine mords Arbeit! Im Laufe des Nachmittags hat es dann, glaube ich, doch geklappt. Aber es hat sich dann hingezogen bis gegen neun am Abend.... Für die Leute war es eine Gaudi, ein bissl Geld haben sie auch gekriegt, das war ja eine schlechte Zeit!" Tatsächlich waren die 1920er Jahre nicht gerade der Zeitabschnitt in der Tiroler Geschichte, in der ein voller Magen bei einem Großteil der Bevölkerung auf der Tagesordnung stand. Und so ist es verständlich, wem der eine oder andere der Komparsen in der erzwungenen Drehpause sich vielleicht etwas mehr um sein leibliches Wohl kümmerte, als es der Absicht der Aufnahmeleiter entsprach. Trotz solcher Erfahrungen ließen es sich die Verantwortlichen für den Film nicht nehmen, Die Tiroler Bevölkerung in allen Teilen des Landes für die Mitwirkung bei den Aufnahmen zur Bergiselschlacht aufzurufen. "Es hat geheißen, daß ein Andreas-Hofer-Film gedreht wird und wer mittun will, soll sich halt melden."
Der »Tiroler Anzeiger« unterstützte die Arbeit der Filmemacher, indem er deren Vorhaben ausführlich vorstellte und die Bevölkerung zur Unterstützung aufforderte:
"Am kommenden Donnerstag [9.5.1929 - H-A.] finden, wem schön Wetter ist, die Aufnahmen für die Berg-Isel-Schlacht statt. Das Interesse, welches von der ganzen Bevölkerung diesem Unternehmen entgegengebracht wird, ist erfreulicherweise überaus rege. Außer den mehr als 300 Mann, welche sich vom Bundesheere zur Verfügung gestellt haben, liegen bereits Anmeldungen von mehr als 1500 Innsbruckern und Auswärtigen vor, die alle in alten Trachten der einzelnen Gebiete Tirols oder in einem im Jahre 1809 üblichen bäuerlichen Kleide erscheinen werden. Großes Entgegenkommen wird auch von Seiten der Verkehrsunternehmen geboten. Die Bundesbahn hat eine fühlbare Ermäßigung für die Beförderung zugestanden und die Zillertal- und Stubaitalbahn übernehmen in gewohnt großzügiger Weise die kostenlose Beförderung der Teilnehmer. Es wird ein farbenfrohes Bild geben, wenn die Hunderte von verschiedenen Schützen das Kampffeld rund um den Lemmenhof beleben. Der ursprüngliche Plan, die Kämpfe auf der Ferrari-Wiese durchzuführen, ist an der Unmöglichkeit gescheitert, alle die vielen Zeichen der Kultur, welche nicht mehr in das Bild für 1809 passen, zu verstecken. Auch war mitbestimmend das große Entgegenkommen von Seiten des Besitzers und Pächters des Lemmenhofes.
Die Schützen und Landstürmer, welche sich bei den Aufnahmen beteiligen, sammeln sich zwischen 9 und 10 Uhr vormittags vor der Stiftskirche in Wilten, wo die einzelnen Gruppen zusammengestellt und mit Führern versehen werden. Das ganze Gebiet des Lemmenhofes wird polizeilich abgesperrt und es wird aufmerksam gemacht, daß Schaulustige nur dann auf ihre Rechnung kommen, wem sie vom Berg Isel oder der Brennerstraße aus das Schauspiel beobachten wollen. Der Vormittag wird mit den Proben für die Aufnahme vergehen. Die eigentlichen Filmaufnahmen werden voraussichtlich zwischen 1 und 3 Uhr nachmittags gedreht. Der Arbeitsausschuß richtet an die Bevölkerung die Bitte, das Gebiet des Lemmenhofes frei zu lassen, damit die einebnen Kompagnien und Landsturmformationen nicht durch die Zuschauermasse an ihrer Bewegungsfreiheit gehindert werden. Die Aufnahmen, welche bis jetzt gemacht wurden, geben einen Beweis vom hohen künstlerischen Kamen der Regie und der Operateure. [...l Die Mitbürger, welche über eine alte Tracht oder über ein Kleid, welches in der Ausführung an das Jahr 1809 erinnert, verfügen, sind freundlichst eingeladen, sich bei der Durchführung der Aufnahmen zu beteiligen."
Die Kämpfe am Bergisel waren zweifellos Höhepunkte der Dreharbeiten, wodurch der Film nicht nur der historischen Bedeutung dieser Schlachten gerecht wurde, sondern durch die Massenszenen auch wesentlich an Dynamik gewann. Auch für die Beteiligten blieben die Aufnahmen auf der Lemmenhofwiese unvergeßlich:
"Die Nahkampfszenen waren so wunderbar! Am Bergisel oben sind 36 Verletzte gewesen! Ein paar durch die Rauchbomben aber die meisten durch den Nahkampf. Die haben mit der Rettung ins Spital gebracht werden müssen! Mein Bruder Sepp ist da oben gestanden der hat ein Gewehr in der Hand gehabt und hat vor lauter Begeisterung - dem die Heimatwehr und das Militär haben die Franzosen und die Bayern gebildet... Und da hat sich halt einer besonders aggressiv gegen den Sepp gezeigt und - da seh ich noch, wie dar den Gewehrkolben nimmt und einem auf den Arsch haut, und der ist dann da hinunter geigen! Die Rettung hat ganz nett zu tun gehabt!
Und eine Szene weiß ich noch sehr genau: wem man den Abkürzungsweg nach Lans hinaufgeht, beim Kreuz, da haben sie eine Föhre angeschnitten gehabt, mit einer Klammer nur gesichert, und mitten im Kampf ist auf einmal die Föhre umgebrochen. Das hat von der Ferne ganz gut ausgeschaut. Und dreimal hätten wir den Auftrag gehabt, zurück zu gehen das ist mit Lautsprecher uns gesagt worden, aber wir haben gestürmt! Und ich hab zum Glück eine geradegebogene Sense gehabt, mit einem langen Stil, - sonst haben Um die Bayern und Franzosen ..., die haben Gewehre mit den langen Bajonetten gehabt, mit denen sie uns vor den Augen herumgefuchtelt haben. Und ich habe nun mit meiner Sense solchen mit den Zacken draufhauen können! Und da haben sie geschimpft, - aber daß sie uns die ganze Zeit vor den Augen herumgefuchtelt haben, war ihnen gleich gewesen!"
Verletzte hat es schon bei den Filmaufnahmen zum Andreas-Hofer-Film im Jahre l913 gegeben; der Einsatz der Statisten in den Bergiselkämpfen mit einer relativ großen Zahl von Verwundeten wurde 1929 von der Tiroler Presse allerdings recht unterschiedlich aufgenommen.
Die Wochenschrift der Großdeutschen Volkspartei versuchte die Aufnahmen zu dem Film und speziell jene auf der Lemmenhofwiese politisch zu verwerten, indem sie recht deutlich dazu schrieb, daß dabei eine Erscheinung zutage getreten sei, "über die wir uns doch ein wenig aussprechen müssen, denn gerade das körnte bei möglichen Zukunftsereignissen in der Innenpolitik unseres armen Restösterreich eine sehr große Rolle spielen ... .
Es hat bei dieser Filmaufnahme 37 Verletzte gegeben, die, durch allzu derbe Hiebe auf bekannt harte Tiroler Schädel wohl ein vorübergehendes »Damisch«-Sein hervorrufend, aber zumeist in häusliche Wege übergeben werden konnten. Bei über 3000 Teilnehmern ist das, wie die Innsbrucker Tagesblätter ganz richtig bemerkten, bei dem Feuereifer der bäuerlichen Schauspieler, ganz gewiß ein recht geringfügiger Prozentsatz und doch sagt er uns unendlich viel: Er sagt uns vor allem, daß die biederen Tiroler Bauern noch gar nichts von ihrem traditionellen Sturmesungestüm und noch weniger von ihrer echt süddeutschen »Schlagkraft« eingebüßt, die sie ja auch im Weltkrieg so glänzend bewiesen haben. Und das ist gut. Gut deshalb, weil es uns beweist, daß wir, wem es einmal notwendig Waden sollte, im Ernstfalle, wo es keine Rücksichten mit dem Gegner und keine Einschränkung der urwüchsigen Naturkraft eines Stürmervolkes gibt, auf diese »Schlagkraft« unserer braven deutschen Tiroler Bauern unbedingt rechnen können. Das ist ein beruhigendes Gefühl, umsomehr aber deshalb, weil diese altbewährte Tapferkeit nicht nur unsren Tirolern, sondern allen unseren österreichischen Gebirglern sozusagen im Blute liegt ...
Das sollen sich gewisse krummnasige Volksverführer in der alten Wienerstadt hinter ihre jüdischen Löffel schreiben. Sie sollten ihren »Genossen«, die zumeist in die Kategorie volksfremder Radaubrüder, Tachenierer, Plattenbrüder oder ganz grüner Jungen gehören, nicht länger zu Schandtaten aufhetzen, die schließlich, wenn einmal die Geduld zu Ende geht, ganz unerwartete und schreckliche Gegenwirkungen auslösen könnten. Wenn sie also. die Roten, wirklich so große »Friedensfreunde« und wahrhaftige »Demokraten« sein wollen, denen jede Art von »Faschismus« wie sie die gegen ihren eigenen Terror gerichteten Bewegungen summarisch zu benennen pflegen - in der Seele verhaßt ist, dann müßten die Roten diejenigen sein, die als allererste aufhören und abrüsten sollten, die Massen zu Klassenkampf und Bürgerkrieg aufzuhetzen und Zusammenstöße zu provozieren, wie sie es heute noch tun ...
Sie, die sich laut »Berliner Tagblatt« als »Sammelbecken der nationaldeutschen Bestrebungen in Österreich« zu bezeichnen erfrechen, müßten endlich einmal gewisse moskowitische Allüren ablegen, die, wie es uns die jetzigen Berliner Ereignisse beweisen, in einem zukünftigen Großdeutschland, welcher Farbe es auch immer sein möge, keinen Anklang finden würden. Sollten das unsere österreichischen »Genossen« von der 2/3 Internationale noch immer nicht erfaßt haben? Dann ist ihnen nicht zu helfen und dann werden sie eines Tages jene echt deutsche Schlagkraft und jenes unstüme Draufgeherturn zu spüren bekommen, wie sie uns die harmlose Filmschlacht am Iselberg ganz unzweideutig zu erkennen gegeben hat ..."
Völlig anders hingegen reagierte die sozialdemokratische »Volkszeitung« auf die Filmschlacht am Bergisel und brachte ihre Empörung darüber schon in der Überschrift eines entsprechenden Artikels zum Ausdruck:
"37 Verletzte - Der bürgerliche Schmock ist entzückt.
Seit einigen Tagen wird in Tirol gefilmt. Ein kapitalistisches Filmunternehmen ist nämlich darauf gekommen, daß sich bei der filmischen Verwurstung der Tiroler Kämpfe von 1809 wahrscheinlich ein schöner Profit herausschlagen läßt. »Vaterländische« Filme werden gegenwärtig ja mit Vorliebe gedreht, und die Tatsache, daß die Tiroler Freiheitskämpfer von anno Neun ihr Blut umsonst verspritzten, weil die Habsburger Andreas Hofer und mit ihm Tirol schändlich im Stich ließen, braucht man ja im künftigen Andreas-Hofer-Film dem Filmpublikum nicht auf die Blase zu binden ...
Am Donnerstag wurde bekanntlich auf der Lemmenhofwiese die »Schlacht am Berg Isel« gefilmt. Die bürgerliche Presse entsandte dazu ihre Kriegsberichterstatter, die ob der Schlacht, wie es sich für bürgerliche Presse-Schlachtenbummler gehört, natürlich restlos entzückt sind. Nur ein Schatten trübt die Freude des Zeitungsschmocks: es gab »bloß« 37 Verletzte!
Und so jubelt denn, sozusagen mit einer Träne im Auge, der von den »Nachrichten« auf das Schlachtfeld entsandte Redakteur:
»Es gab tatsächlich richtiges Handgemenge und scharfen Nahkampf und in Anbetracht dieses Umstandes und wenn man bedenkt, daß 3100 Menschen im Treffen standen, ist es eigentlich nicht gar so arg, daß die Sanität bei 37 Verletzungen zu Hilfe gerufen wurde.
Es waren allerdings alles leichte Fälle. Nur einmal schien etwas Ernsteres vorzuliegen: einem Unterinntaler Bauern fuhr eine der Leuchtraketen, die die Granaten markierten, rückwärts in den Hals zwischen Rock und Hemd, wo sie explodierte. Hals und Haare wurden dem Manne versengt, doch konnte er noch Donnerstag wieder heimfahren. Ein anderer hatte mit allzugroßer Wucht einen Dreschflegel auf den Kopf bekommen und war einige Minuten etwas 'damisch'.
Wie ernst es manchmal zuging, zeigt auch ein Nahkampf zwischen einem Tiroler Schützen und einem bayrischen Offizier, der vom Gewehrkolben des Tirolers so ernst bedroht wurde, daß er sich mit einem Säbelhieb tüchtig zur Wehre setzen mußte, wobei der Bauer durch einen starken Hieb auf die Hand dort eine klaffende Wunde erhielt So ist der 'Nahkampf' im Film.«
Die vaterländische Filmerei scheint demnach eine eminent kulturfördernde Sache zu sein. Schade, daß man die Herren Pressevertreter nicht näher an die »Front« heran und so nähere Bekanntschaft mit Dreschflegeln und Gewehrkolben schließen ließ. Die redakteurliche Begeisterung hätte dann sicherlich noch heftiger aufgeloht ..."
Die Dreharbeiten zu dem Film wurden trotz der umstrittenen Resonanz in der Tiroler Presse fortgeführt, so vor allem die zur Gefangenschaft und Erschießung Hofers, weiche in der Festung Geroldseck in Kufstein erfolgten.
Jedoch wurden nicht alle geplanten Vorhaben - wie zum Beispiel die Kämpfe in der Sachsenklemme - verwirklicht, wofür verschiedene Gründe eine Rolle spielten. Vermutungen, daß den Produzenten des Films das Geld ausgegangen sei, trat am 28. Juni 1929 der Innsbrucker Bürgermeister Franz Fischer im »Tiroler Anzeiger« entgegen, indem er zwar eingestand, daß Kur eine monumentale Prägung des Filmes noch einige Schlachtenbilder hätten aufgenommen werden sollen, doch sei dies nicht wegen Geldmangels geschehen,
"sondern weil sich der Finanzier des Filmes scheute, neuerlich große Mengen von Filmschauspielern aneinandergeraten zu lassen, da besonders die Aufnahmen bei der Lemmenhofschlacht gezeigt haben, daß sich die freiwilligen Komparsen so sehr in ihre Rolle hineindenken, daß nicht nur eine Gefährdung des Körpers, sondern auch des Lebens der Mitspieler hervorgerufen wurde. [...]"
Der Münchener Bankier hat den Film derartig großzügig finanziert, und ist jedermanns Wunsch, in materieller Hinsicht soweit entgegengekommen, daß er nicht übertroffen hätte werden können. Es liegt daher keinerlei finanzieller Hintergrund in der Tatsache, daß die noch ausständigen Aufnahmen nicht mehr gemacht wurden. Einige wenige Bilder, welche noch mit dem Helden Speckbacher gekurbelt hätten werden sollen, mußten wegen der schweren Erkrankung des Rollenträgers aufgegeben werden. Es sind noch eine ganze Reihe von Trickaufnahmen zu machen, die gegenwärtig in Berlin in den Ateliers einer großen Gesellschaft angefertigt werden. Voraussichtlich dürfte Ende Juli der Film soweit sein, daß einige Mitglieder des Kunstausschusses über Einladung des Finanziers nach Berlin reisen können, um dort letzte Ratschläge für die endgültige Zusammenstellung des Films geben zu können."
In diesen Optimismus ließ Fischer allerdings auch kritische Untertöne einfließen, indem er resümmierend hervorhob, "daß der anfänglich präliminierte Betrag um 200 Prozent überschritten wurde," daß jedoch auch "vielerorts die Begeisterung für die Mitarbeit eine sehr materielle war und von manchen der Hoferfilm als Ausbeutungsobjekt betrachtet wurde."
Auch wenn keine Angaben über die tatsächlichen Kosten des Films gemacht wurden, läßt sich doch nicht von der Hand weisen, daß die Produktion enorme Gelder verschlang. Einige Daten über die Filmaufnahmen machen deutlich, mit welch großem Aufwand die Arbeiten durchgeführt wurden:
"Es nahmen daran teil rund 3100 Mann, davon 280 Mann vom Bundesheer und 200 Heimatwehrleute, welche 100 Bayern und 380 Franzosen darstellten. Das Kommando über diese »feindlichen« Truppen hatte Oberstleutnant Hilarius Wolf, Kommandant des Alpenjägerregiments Nr. 12. Von den Tiroler Kämpfern waren 380 Mann aus dem Bezirk Schwaz, 150 Mann aus dem Zillertal, über 200 Mann aus dem Stubai, 440 aus dem Oberland und 80 Mann aus Seefeld, die übrigen Teilnehmer waren aus Innsbruck und Hall. An der Aufnahme wirkten auch drei Fahnen mit, die die Berg-Isel-Schlacht 1809 wirklich mitgemacht, darunter die Spingeser Fahne der Stubaier. Das 90 Kilo schwere Kreuz trug ein Einberger aus Brixlegg. Es wurden von 7 Aufnahmeapparaten zirka 1000 Meter gekurbelt."
Das Filmmaterial wurde im Sommer 1929 geschnitten und der Film in den Ateliers fertiggestellt. Seine Premiere erfolgte am 15. Oktober des gleichen Jahres im Lichtspielhaus der UfA in München, wo er "unter stärkstem Beifall'' aufgenommen wurde. Vier Tage später war der Film erstmals auch in Innsbruck zu sehen.
"... ein äußerst eindrucksvolles Manifest für das Tiroler Volk."
Am Samstag, den 19. Oktober 1929 fand im Innsbrucker Zentralkino die österreichische Uraufführung des Andreas-Hofer-Filmes vor geladenen Gästen statt. Zu diesem Zeitpunkt war er schon in diversen Kinos im Deutschen Reich angelaufen und hatte allerorten positive Kritiken bekommen. Bewundert wurde die Darstellung des Andreas Hofer durch Fritz Greiner, "eine überragende suggestive Leistung. Neben ihm verheißen die ins Symphonische gehobene Illustration von Herrnann Ludwig und der präzise musterhafte Bildschnitt, den Dr. Werner Klette besorgte, den Film zu einem Erfolg, der aller Voraussicht nach den Film für mehrere Wochen auf dem Spielplan halten wird.'' Ein "in jeder Hinsicht vollendetes Werk moderner Filmkunst", berichteten die »Leipziger Neueste Nachrichten« mit dem eine "der stolzesten Abschnitte aus der Geschichte deutscher Stämme t...] ein Denkmal erhalten" hat.
Solchen überaus positiven Stellungnahmen stand der »Tiroler Anzeiger« in nichts nach, obgleich er auch nicht mit kritischen Anmerkungen sparte:
"Mag auch durch den Film das rein Geschichtliche dieses Kampfes für den, der hierüber wenig oder nicht unterrichtet ist, nicht genügend verdeutlicht worden sein, für uns Tiroler, die wir von dem Heldenkampfe unserer Altvorderen 1809 wohl einiges wissen, ist dieser Film jedenfalls ein großes Erlebnis und spricht zu Hort und Gemüt eine so eindringliche Sprache, daß jedem patriotisch oder doch menschlich Fühlenden das Auge naß wird. Das malerisch Schöne unserer Heimat ist in wundervollen Bildern eingefangen und die Hauptdarsteller bringen ihre Rollen zu packender Wirkung; allen voran Fritz Greiner als Andreas Hofer, ein Hofer, wie figürlich und in seinem Gehaben nicht besser gedacht werden könnte. Maly Delschaft als Hofers Frau bereitet unserer Phantasie, die sich Hofers Gattin mehr als robuste Tiroler Wirtin in reiferen Jahren vorstellt, wohl einige Schwierigkeit, sie läßt aber dies uns fast vergessen, wenn sie in ergreifendem Spiel uns entgegentritt. Ganz prächtig in Figur und Haltung ist auch Hofers Adjutant Eisenstecken (Carl de Vogt) und der Gasteiger-Wirt (Rolf Pinegger). Das Liebespaar - die Moidl vom Gasteiger-Wirt und ein Sergeant - bringen die Tragik ihrer Zuneigung ebenfalls in erschütternder Art zum Ausdruck. Die vielen Kampfszenen sind voller Leben und Bewegung und veranschaulichen treffend das Ringen der freiheitsliebenden Bauernscharen gegen ein für damalige Begriffe modernes Heer. Sowohl die Berg-Isel-Schlachten wie namentlich das Ringen bei der Haller Innbrücke sind von aufrüttelnder Wucht. Etwas vom Schönsten dieses Filmes sind die Szenen in der Hofkirche, der Abschied Hofers von Weib und Kind im Kerker zu Mantua und schließlich das unglückliche Ende des Helden vor den Gewehrläufen der feindlichen Militärabteilung. Alles in allem ist zu sagen, daß der Film ein Werk geworden ist, das seinen Meister lobt und das wohl geeignet ist, den Namen Tirol in der weiten Welt ehrend ins Erinnern zu rufen und auch die Begeisterung für die Idee zu wecken, der es dienen will."
Aus heutiger Sicht mag der Film vielleicht anders beurteilt werden, damals wurde er im gesamten deutschen Sprachraum gezeigt und avancierte zu einem beachtlichen Kinoerfolg.
Leider läßt sich nicht mehr feststellen, wie lange er in den Kinos gezeigt wurde, doch ist anzunehmen, daß er bereits Anfang der 193Oer Jahre den konkurrierenden Tonfilmen weichen mußte. Diese hatten nämlich seit 1927, also bereits zwei Jahre bevor der Andreas-Hofer- Film produziert wurde, ihren Siegeszug auf der Leinwand angetreten und verdrängten aus den Spielplänen der Kinos mehr und mehr die Stummfilme, welche in den Depots der Verleihfirmen verstaubten oder gar verlorengingen.
Das Thema "Andreas Hofer" bzw. die Tiroler Erhebung von Anno 1809 blieb jedoch für Filmproduzenten auch in späteren Jahren aktuell. "Der Rebell" aus dem Jahre 1932 oder "Der Feuerteufel" (1940) von und mit Luis Trenker, sind wohl die bekanntesten Filme, die den Tiroler Freiheitskampf künstlerisch umsetzten, wenn auch ihr propagandistischer Charakter bzw. ihre politische Wirkung nicht unumstritten waren und sind. Der Heimatfilmboom der Nachkriegszeit brachte den Film "Das letzte Aufgebot" im Jahre 1952 hervor, eine österreichische Produktion, in der im Mittelpunkt das Drama eines Tiroler Bauernsohns vor dem Hintergrund des Tiroler Aufstandes steht. Eine Filmproduktion über die Kämpfe des Jahres 1809 wurde im Zusammenhang mit dem 150jährigen Gedenken an die Bergiselschlachten zwar angeregt, die politische Lage wie auch die Kosten für ein solches Projekt verhinderten jedoch dessen Verwirklichung. Erst 25 Jahre später produzierte der Tiroler Filmemacher Christian Berger einen mehrfach ausgezeichneten Film zum Thema Anno 1809. In seinem Film "Raffl" aus dem Jahre 1984 spielte allerdings nicht Andreas Hofer die Hauptrolle, sondern wurde ein subtiles Psychogramm des Verräters Franz Raffl gezeichnet. Ob sich der Tiroler Freiheitskampf das Jahres 1809, der Mythos Andreas Hofers, die Heroisierung seiner Mitkämpfer weiterhin als Filmstoff eignen werden oder ob völlig neue Zugänge, Interpretationen oder Umsetzungen eine veränderte Sichtweise jenes Abschnittes der Tiroler Geschichte bringen werden, muß die Zukunft zeigen.